Gericht stoppt Bild-Zeitung: Keine öffentlichen Pranger-Methoden mehr erlaubt
Claudia SchmitzGericht stoppt Bild-Zeitung: Keine öffentlichen Pranger-Methoden mehr erlaubt
Ein deutsches Gericht hat die Praxis der Bild-Zeitung verurteilt, Personen öffentlich an den Pranger zu stellen. Das Urteil folgt auf jahrelange Kontroversen über die "Pranger"-Taktiken des Boulevardblatts, die 2015 begannen. Kritiker werfen der Zeitung vor, dass diese Methoden zu Belästigungen, Jobverlusten und rechtlichen Auseinandersetzungen für die Betroffenen geführt haben.
Erstmals setzte Bild seine moderne Pranger-Strategie 2015 während der Flüchtlingskrise ein. Damals veröffentlichte die Zeitung beleidigende Facebook-Posts zusammen mit den Namen und Profilbildern der Nutzer. Bis 2017 weitete sie ihre Vorgehensweise aus und nahm mutmaßliche Einbrecher sowie Steinwerfer ins Visier – stets mit ähnlichen öffentlichen Bloßstellungen.
2024 richtete sich das Boulevardblatt gegen junge Leute auf der Insel Sylt, die gefilmt worden waren, wie sie "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!" skandierten. Bild veröffentlichte ihre Identitäten, woraufhin die Betroffenen mit Drohungen und Kündigungen konfrontiert wurden. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen in drei von vier Fällen jedoch ein, da das Singen des Liedes keine Straftat darstellte.
Der Anwalt Carsten Brennecke argumentierte, die Nennung der Sylt-Sänger sei rechtswidrig gewesen. Die Gerichte gaben ihm recht und urteilten, dass niemand auf diese Weise öffentlich an den Pranger gestellt werden dürfe. Unterdessen kritisierte die Chefredakteurin der Welt, Anna Schneider, den wachsenden Trend, dass Medien unliebsame Personen gezielt "doxen". Auch das ZDF Magazin Royal unter Jan Böhmermann geriet jüngst in die Kritik, weil es ähnliche Pranger-Methoden anwendet.
Das Urteil setzt klare Grenzen für öffentliche Bloßstellungen durch Medien. Die von Bild Betroffenen hatten mit realen Konsequenzen zu kämpfen – von Drohungen bis zur Arbeitslosigkeit. Die Entscheidung könnte Verlage nun zwingen, ihre Berichterstattung über umstrittene Personen zu überdenken.






