17 March 2026, 01:06

Milo Rau inszeniert provokanten Prozess gegen die AfD in Hamburg

Eine große Menschenmenge sitzt vor einer Bühne mit einem Podium, Mikrofon, Flaggen, einem Bildschirm und Beleuchtungsausrüstung und wartet auf eine Präsidentschaftsdiskussion.

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert provokanten Prozess gegen die AfD in Hamburg

Regisseur Milo Rau bringt provokanten Theaterstil erstmals nach Deutschland

Der Schweizer Regisseur Milo Rau wird mit einem gewagten neuen Projekt erstmals seinen provokanten Theaterstil nach Deutschland bringen. In dem Prozess gegen Deutschland wird debattiert, ob die rechtsextreme AfD verboten werden sollte – eine Mischung aus Kunst und realer politischer Auseinandersetzung. Die dreitägige Veranstaltung bildet den Abschluss der diesjährigen Hamburger Lessing-Tage, einem Festival, das für seinen scharfen politischen Fokus bekannt ist.

Der fiktive Prozess findet im Thalia Theater Hamburg statt, einer Bühne mit langer Tradition politisch aufgeladener Inszenierungen. Statt Schauspieler werden Juristen und Rechtsexperten die Verhandlungen leiten, darunter die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin als Vorsitzende Richterin. Die Veranstaltung wird live auf der Website des Theaters übertragen, um einer breiteren Öffentlichkeit Zugang zu ermöglichen.

Raus Arbeiten brechen oft Tabus, indem sie historische und religiöse Themen mit modernen Krisen verknüpfen. In früheren Projekten verband er die Passion Jesu mit dem Schicksal afrikanischer Flüchtlinge und untersuchte Revolutionen durch die Linse Lenins. Sein Ansatz zwingt das Publikum, sich mit unbequemen Fragen über die Richtung der Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Die Hamburger Lessing-Tage wurden 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen und haben sich zu einer zentralen Plattform für politischen Diskurs entwickelt. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Das Festival konfrontiert das Publikum weiterhin mit drängenden Debatten über Demokratie, Extremismus und Gerechtigkeit.

Der Prozess gegen Deutschland markiert Raus erste große Produktion im Land und bildet den Rahmen für intensive Diskussionen. Mit Juristen an der Spitze wird die Veranstaltung erproben, wie Kunst reale politische Dilemmata aufgreifen kann. Die Ergebnisse könnten die breitere Debatte über die Rolle des Theaters im Umgang mit Extremismus prägen.

AKTUALISIERUNG

Juryentscheid löst Debatte über AfD-Zukunft aus

Der theatralische Prozess endete mit einer geteilten Juryentscheidung am 15. Februar 2026:

  • 5-2 Entscheidung, dass die AfD in Schlüsselfragen wie der Menschenwürde verfassungswidrig ist
  • 5-2 Empfehlung, dass die Verfassungsorgane ein Verbot prüfen
  • 4-3 Entscheidung, die AfD von staatlichen Förderungen auszuschließen Das Ergebnis hat die politische Diskussion über den rechtlichen Status der Partei verschärft.