Neuer Schulroman bringt den Völkermord an den Armeniern ins Klassenzimmer
Niklas MeyerNeuer Schulroman bringt den Völkermord an den Armeniern ins Klassenzimmer
Ein neuer Roman bringt den Völkermord an den Armeniern 1915 in deutsche Klassenzimmer. Im März veröffentlichte der Reclam Verlag Laura Cwiertnias "Auf der Straße tragen wir andere Namen" als Pflichtlektüre für Schulen. Das Buch thematisiert Überleben, Gewalt und Diskriminierung – Themen, die mit einem historischen Ereignis verknüpft sind, das im Unterricht noch immer zu wenig behandelt wird.
Vor 111 Jahren begann der Völkermord an den Armeniern, bei dem im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden. Deutschlands Mitverantwortung an den Gräueltaten ist längst anerkannt, unter anderem durch einen Bundestagsbeschluss von 2016. Dieser forderte, den Völkermord verbindlich in die Lehrpläne aufzunehmen.
Trotz des Beschlusses wird das Thema in vielen Schulen weiterhin ausgeklammert. Überfüllte Lehrpläne, Zeitmangel und fehlende Unterrichtsmaterialien führen dazu, dass es oft unberücksichtigt bleibt. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers argumentiert, dass Romane wie der von Cwiertnia diese Lücke schließen können. Durch emotionale Zugänge könnten Literaturstunden den Schülerinnen und Schülern helfen, das historische Ausmaß des Völkermords zu begreifen.
Der Roman selbst verwebt Geschichten von Völkermord, Konflikt und Migration. Dass er nun Pflichtlektüre ist, zeigt den Willen, sich dieser schwierigen Geschichte im Unterricht zu stellen.
Die Veröffentlichung von Cwiertnias Werk reiht sich in die Bemühungen ein, den Völkermord an den Armeniern im Schulunterricht zu verankern. Die Forderung des Bundestags von 2016 bleibt in vielen Klassenzimmern unerfüllt, doch literarische Werke bieten nun einen neuen Ansatz. Ob dies zu umfassenderen Änderungen in den Lehrplänen führen wird, bleibt abzuwarten.






