Olympia-Erfolge im Schatten: Warum Deutschlands Infrastruktur zum Ärgernis wird
Niklas MeyerOlympia-Erfolge im Schatten: Warum Deutschlands Infrastruktur zum Ärgernis wird
Deutschlands Medaillenerfolg bei den Winterspielen wird von Infrastrukturkritik überschattet
Obwohl Deutschland mit 26 Medaillen den fünften Platz bei den Olympischen Winterspielen belegte, wird der Erfolg von massiver Kritik an den Verzögerungen bei Infrastrukturprojekten überlagert. Der ehemalige Rennrodel-Olympiasieger Georg Hackl hat die Regierung scharf angegriffen, weil sie es nicht schafft, zentrale Vorhaben termingerecht abzuschließen. Als Gegenbeispiel nannte er den zügigen Bau einer neuen Rennschlittenbahn in Italien für die Spiele 2026 in Cortina d'Ampezzo.
Hackl, der als langjähriger Trainer und dreifacher Olympiasieger gilt, bezeichnete Deutschland angesichts der unvollendeten Bauprojekte spöttisch als "Bananenrepublik". Besonders prangerte er die jahrelangen Verzögerungen beim Stuttgarter Bahnprojekt Stuttgart 21, die chaotische Eröffnung des Berliner Flughafens BER sowie die marode Carolabrücke in Dresden an. Selbst die Rennschlittenbahn in Königssee nahe seinem Wohnort ist seit Jahren wegen Hochwasserschäden nicht nutzbar – obwohl nur Teilabschnitte betroffen sind.
Italien hingegen habe die neue Bahn in Cortina d'Ampezzo in nur vier Jahren (2021–2025) für rund 130 Millionen Euro fertiggestellt, lobte Hackl. Er hob die direkte Einbindung von Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini hervor und betonte, dass das Projekt trotz strengerer Umweltauflagen und schwierigem Bergterrain zügig umgesetzt wurde. Deutsche Projekte wie die Bobbahn in Altenberg (drei Jahre Bauzeit, 45 Millionen Euro) oder die Sanierung der Anlage in Oberhof (vier Jahre, 70 Millionen Euro) hätten für kürzere Strecken länger gedauert.
Ausländische Trainer sollen Deutschlands Planungsdesaster bereits verspottet haben. Hackl machte vor allem ein Führungsversagen der Politik verantwortlich und kritisierte die aktuelle Regierung unter Friedrich Merz sowie die Vorgängerregierungen von Olaf Scholz und Angela Merkel. Italiens entschlossenes Vorgehen beweise, dass schnelle Fortschritte möglich seien – wenn der Wille da ist.
Die Vorwürfe kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland eigentlich seine olympischen Erfolge feiert: acht Gold-, zehn Silber- und acht Bronzemedaillen. Doch Hackls Äußerungen unterstreichen die anhaltende Frustration über die Infrastrukturprobleme. Mit der nun fertiggestellten Bahn in Cortina wird der Effizienzvergleich für die deutsche Politik zunehmend zum Problem – und die Verantwortlichen stehen weiter in der Kritik.






