Reform des Landesverfassungsgerichts spaltet Mecklenburg-Vorpommern in politischer Machtprobe
Tim KellerReform des Landesverfassungsgerichts spaltet Mecklenburg-Vorpommern in politischer Machtprobe
In Mecklenburg-Vorpommern ist ein politischer Streit über Pläne zur Reform des Landesverfassungsgerichts entbrannt. Die regierende Koalition aus SPD, Grünen und Linken treibt Änderungen voran, um Blockaden bei der Besetzung von Richterposten zu verhindern. Kritiker werfen ihnen hingegen vor, nach aktuellen Umfrageergebnissen gezielt linken Einfluss auf das Gericht sichern zu wollen.
Laut dem jüngsten INSA-SonntagsTrend liegt die AfD mit 34 Prozent in Führung, während die SPD bei 26 Prozent zurückfällt. Der Aufstieg der Rechtspopulisten hat die Spannungen um die geplante Reform weiter verschärft.
Ausgelöst wurde die Kontroverse bereits 2020, als die Ernennung von Barbara Borchardt zur Verfassungsrichterin wochenlange Debatten auslöste. Ihre politischen Verstrickungen und Positionen in der Vergangenheit stießen auf Kritik und offenbarten Schwachstellen im Auswahlverfahren.
Nun will die Koalition eine Wiederholung verhindern und die Regeln reformieren. Ihr Vorschlag sieht vor, dass das Gericht innerhalb von sechs Monaten Ersatzkandidaten vorschlagen kann, falls nach Ablauf einer Amtszeit keine Einigung über einen Nachfolger erzielt wird. Das Landesparlament würde anschließend über diese Kandidaten abstimmen – und zwar mit einfacher Mehrheit statt der bisher erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit. Ziel ist es, eine "Blockade" zu vermeiden und die Arbeitsfähigkeit des Gerichts zu gewährleisten.
Zudem sollen bestehende Regelungen in der Landesverfassung verankert werden, darunter eine Amtszeitbegrenzung von zwölf Jahren für Richter sowie eine Altersgrenze von 68 Jahren. Befürworter argumentieren, dies schütze das Gericht vor tagespolitischen Streitigkeiten.
Die Opposition zeigt sich kämpferisch. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Peters lehnte den Plan ab und forderte stattdessen Vertrauen und eine offene Debatte, um die Demokratie zu stärken. Enrico Schult, stellvertretender Fraktionschef der AfD, ging noch weiter: Er warf der Koalition "Panikmache" vor und unterstellte ihr, mit einem "Verfassungstrick" das Gericht langfristig links ausrichten zu wollen.
Die Diskussion erinnert an eine jüngste Reform in Sachsen-Anhalt, wo eine ähnliche Änderung mit Unterstützung von CDU, Linken, SPD, FDP und Grünen beschlossen wurde. In Mecklenburg-Vorpommern jedoch, wo die AfD in den Umfragen mittlerweile führt, sind die politischen Risiken ungleich höher.
Die geplanten Reformen würden das Verfahren zur Richterbestellung ändern und bestehende Regelungen verfassungsrechtlich verankern. Sollten sie verabschiedet werden, könnten sie zwar das Risiko von Blockaden verringern – gleichzeitig aber auch die politischen Gräben vertiefen. Angesichts des Aufschwungs der AfD wird der Ausgang dieses Streits die Zukunft des Gerichts und die politische Landschaft des Landes prägen.






