02 April 2026, 14:13

Thüringer Pilotprojekt zeigt: Digitale Gewalt unter Jugendlichen ist allgegenwärtig

Karte von Australien mit rot schattierten Regionen, die verschiedene Prozentanteile von unteralterigen Teenagern in Bundesstaaten anzeigen, begleitet von Text, der unten besagt, dass unteralterige Teenager für einvernehmlichen Sex in die Sex-Täter-Datei aufgenommen werden können.

Thüringer Pilotprojekt zeigt: Digitale Gewalt unter Jugendlichen ist allgegenwärtig

Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat den dringenden Handlungsbedarf bei der Bekämpfung digitaler sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen deutlich gemacht. Fast die Hälfte aller Teenager in Deutschland gibt an, bereits solche Übergriffe im Netz erlebt zu haben – das zeigen aktuelle Studien. Besonders in den Fokus gerückt ist das Thema durch die öffentlichen Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, die digitale Gewalt betreffen.

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Zwischen 2022 und 2025 leitete die Präventionsexpertin Yasmina Ramdani Workshops an Schulen in ganz Thüringen und erreichte dabei rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klassen. Das von der Landesbeauftragten für den Kinderschutz geförderte Projekt war in dieser Form und diesem Umfang bundesweit einzigartig. Ziel war es, junge Menschen über Risiken wie Cybergrooming aufzuklären – also über Strategien, bei denen Täter gezielt Vertrauen im Netz aufbauen, um Minderjährige später auszubeuten. Bis 2025 war fast jeder vierte Jugendliche davon betroffen.

Viele Vorfälle ereignen sich dabei nicht mit Fremden, sondern im bekannten Umfeld – etwa in Freundeskreisen oder Klassenchats. Naivität und mangelnde Medienkompetenz führen oft zu Grenzüberschreitungen, selbst unter Gleichaltrigen. Lehrkräfte erkennen die Brisanz des Problems, fühlen sich aber häufig überfordert und schlecht vorbereitet, um angemessen darauf zu reagieren.

Fachleute betonen, dass Prävention nicht allein in den Schulen stattfinden darf. Eltern werden aufgefordert, das eigene digitale Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen. Notwendig sei zudem eine gesamtgesellschaftliche Strategie, die auch Technologiekonzerne und ihre profitorientierten Plattformen in die Pflicht nimmt – schließlich ermöglichen diese oft erst solche Übergriffe.

Das Thüringer Pilotprojekt ist zwar abgeschlossen, doch seine langfristige Wirkung bleibt unklar. Öffentliche Daten dazu, wie viele Schulen in Deutschland seitdem ähnliche Workshops eingeführt haben, gibt es nicht. Währenddessen bleibt das Problem bestehen: Digitale sexualisierte Gewalt betrifft einen erheblichen Teil junger Menschen – und häufig sind die Täter Personen aus ihrem eigenen Umfeld.

Quelle