Warum immer mehr Menschen der Demokratie den Rücken kehren und Populisten vertrauen
Niklas MeyerWarum immer mehr Menschen der Demokratie den Rücken kehren und Populisten vertrauen
Warum sich immer mehr Menschen von der Demokratie abwenden: Die Forschung des Soziologen Aladin El-Mafaalani
In seinem neuen Buch untersucht der Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum bestimmte Gruppen der Demokratie den Rücken kehren. Seine Forschung zeigt, wie das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, Wissenschaft und Medien gewachsen ist. Diese Entwicklungen tragen maßgeblich zum Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen im Westen bei.
El-Mafaalanis Werk "Gemeinschaften des Misstrauens" erforscht, wie Menschen das Vertrauen in zentrale Säulen der Gesellschaft verlieren. Wenn das Vertrauen in Regierung, Expert:innen und Journalisten schwindet, so seine These, beginnen misstrauische Individuen, sich stattdessen aufeinander zu verlassen. Dadurch entstehen eng verbundene Gruppen, die sich komplett von den etablierten Institutionen abwenden.
Laut seiner Analyse schüren populistische Führer dieses Misstrauen gezielt. Indem sie das öffentliche Vertrauen in Gerichte, Wissenschaft und Presse untergraben, machen sie ihre eigenen Botschaften attraktiver. Digitale Plattformen haben es diesen misstrauischen Gemeinschaften zudem einfacher denn je gemacht, sich zu vernetzen, zu organisieren und zu wachsen.
Das Buch widerlegt auch eine gängige Annahme: Dass die Entlarvung rechtsextremer Parteien wie der deutschen AfD als inkompetent deren Anhänger:innen zurückgewinnen würde. Stattdessen argumentiert El-Mafaalani, dass das Verständnis dieser Gemeinschaften der erste Schritt ist, um ihren Einfluss einzudämmen. Seine Arbeit bietet neue Perspektiven auf den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump oder der AfD – jenseits oberflächlicher Erklärungen.
Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins "FUTURZWEI", stellt eine drängende Frage: Was kann tatsächlich getan werden, um das Vertrauen wiederaufzubauen? El-Mafaalanis Forschung zeigt, dass das Problem tiefer liegt als jede einzelne politische Kampagne oder jeder Skandal.
Seine Erkenntnisse verdeutlichen einen entscheidenden Wandel in der modernen Politik: Je weiter sich das Misstrauen ausbreitet, desto mehr Menschen wenden sich Parteien zu, die die liberale Demokratie grundlegend ablehnen. Seine Analyse legt nahe, dass es mehr braucht als die Widerlegung von Falschinformationen – nötig ist ein tieferes Verständnis dafür, warum diese Gemeinschaften überhaupt entstehen.






