Bauernfamilie setzt auf Kompostextrakt statt Chemikalien für gesunde Böden
Mia SchmittBauernfamilie setzt auf Kompostextrakt statt Chemikalien für gesunde Böden
Eine Bauernfamilie in Nordbayern verzichtet auf chemische Saatgutbehandlungen und ersetzt mineralische Dünger durch selbst hergestellten Kompostextrakt. Die Familie Hennig bewirtschaftet einen gemischten Betrieb mit 1.000 Mastschweinen und 300 Freilandschweinen – ihr Fokus liegt auf Bodengesundheit und nachhaltigen Anbaumethoden.
Ihr Ansatz kombiniert Direktsaat, Kompostierung und hausgemachte Bodenbehandlungen, um die Widerstandsfähigkeit gegen Extremwetter zu stärken und die Abhängigkeit von Chemikalien zu verringern.
Seit mehreren Jahren verzichtet die Familie Hennig vollständig auf chemische Beizmittel für Saatgut. Stattdessen stellen sie einen flüssigen Kompostextrakt her, der den Humusgehalt erhöht und mineralische Dünger ersetzt. Dieser wird entweder mit einer Feldspritze ausgebracht oder direkt in die Saatfurche gegeben – mithilfe eines Flüssigtanks.
Kern ihres Verfahrens ist die Heißkompostierung am Feldrand, ein Prozess, auf den sich Jonas Hennig spezialisiert hat. Der Kompost reift acht bis zwölf Wochen, wobei Temperatur, Feuchtigkeit und CO₂-Gehalt genau überwacht werden. Ziel ist ein ausgeglichenes Bodensystem, das in seiner physikalischen Struktur, chemischen Zusammensetzung und biologischen Aktivität verbessert wird.
Seit acht Jahren setzt der Betrieb zudem auf Direktsaat, um den Boden vor Erosion und Wetterextremen zu schützen. Durch die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Boden und Pflanze entwickelt die Familie eigene Lösungen – statt auf industrielle Inputs zurückzugreifen.
EU-weite Vorschriften treiben ähnliche Veränderungen in Deutschland voran. Neue Beschränkungen für Pestizide, strengere Wasserqualitätsstandards und Regeln für entwaldungsfreie Produkte sollen Rückstände verringern. Bisher gibt es jedoch keine konkreten nationalen Strategien oder Zahlen zur Beteiligung der Landwirte. Eine Aktualisierung der deutschen Pestizidstrategie wird bis 2026 erwartet.
Das System der Hennigs kommt ohne chemische Saatgutbeizungen und synthetische Dünger aus, während gleichzeitig der Humusaufbau gefördert wird. Ihr kompostbasierter Ansatz entspricht den EU-Bemühungen, den Pestizideinsatz und Umweltbelastungen zu reduzieren. Der Betrieb zeigt praktisch, wie Landwirtschaft auch ohne herkömmliche Chemikalien funktionieren kann.






