23 May 2026, 20:14

Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager jetzt verboten sind

Ich bin der Herr von Erlangen, Euer Nachbar vom Land

Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager jetzt verboten sind

Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest steht wegen seiner Musikauswahl in der Kritik

Die Stadt hat mehrere klassische Partyschlager indiziert, da sie als sexistisch oder frauenfeindlich gelten. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die sich bei der Veranstaltung im vergangenen Jahr unsicher fühlte.

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In diesem Jahr erwarten die Veranstalter fast eine Million Besucher – und wollen, dass die Feierlichkeiten frei von Diskriminierung bleiben. Doch Wirte und Künstler kritisieren die neuen Regeln scharf; manche halten sie für übertrieben.

Die Debatte begann 2021, als der Erlanger Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest verurteilte. 2022 meldete dann eine Frau, sie sei von aggressiven Männern begrapscht worden und habe sich durch die gespielten Songtexte unwohl gefühlt. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, „problematische Partyschlager“.

Das Ergebnis ist eine offizielle Liste verbotener Titel, darunter Hits wie Skandal im Sperrbezirk sowie Lieder von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel. In Wackels Song Joana heißt es etwa Du geile Sau – eine Zeile, die besonders in der Kritik steht. Er selbst zeigte Verständnis dafür, dass viele Künstler angesichts der strengen Vorgaben „keine Lust mehr“ hätten, in Deutschland aufzutreten.

Wirtshausbesitzer reagieren skeptisch; einige vergleichen die Einschränkungen gar mit der Zensur in der DDR. Unterdessen hat sich als inoffizieller neuer Fest-Spruch die sarkastische Parole „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“ etabliert – eine spöttische Reaktion auf die neuen Regeln.

Die Stadt betont, die Maßnahmen seien nötig, um auf dem Bergkirchweih eine sichere und inklusive Atmosphäre zu gewährleisten. Fast eine Million Gäste werden in diesem Jahr erwartet, und die Organisatoren werben für Feiern ohne Diskriminierung. Doch die Schwarze Liste hat eine grundsätzliche Debatte ausgelöst: über Meinungsfreiheit und den Stellenwert von Tradition bei einem der größten Volksfeste Deutschlands.

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