Berlin erzwingt mehr Lehrstellen – oder Unternehmen zahlen Millionenstrafe ab 2028
Claudia SchmitzBerlin erzwingt mehr Lehrstellen – oder Unternehmen zahlen Millionenstrafe ab 2028
Berlin führt eine neue Ausbildungsabgabe ein, um Unternehmen zu mehr Lehrstellen zu verpflichten. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten mindestens 4,6 Prozent ihrer Belegschaft ausbilden – oder in einen Fonds einzahlen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass die aktuelle Ausbildungsquote der Stadt bei nur 3,1 Prozent liegt und damit unter dem Bundesdurchschnitt.
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat die umstrittene Regelung kürzlich verabschiedet. Unternehmen, die die 4,6-Prozent-Marke verfehlen, müssen Strafzahlungen leisten; der Fonds soll jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen. Kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden bleiben jedoch ausgenommen – das betrifft etwa 75 Prozent aller Unternehmen in der Stadt.
Kritik kommt bereits von lokalen Unternehmerinnen und Unternehmern. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, nannte die Abgabe ein "falsches Signal" und argumentierte, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf klassische Ausbildung. Marius Meiners von Peec AI gab zu, dass er lieber die Strafe zahlen würde, als Auszubildende einzustellen, da Ausbildung nicht zu seinem Geschäftsmodell passe.
Andere wie Moritz Kreppel von Urban Sports Club sehen in der Regelung eine Ungerechtigkeit gegenüber Start-ups. Er wirft Berlin vor, Unternehmen für Stellen zu bestrafen, die sich nicht in das Ausbildungssystem einfügen. Agnieszka Walorska von der Fintech-Firma Mika hingegen meinte, das eigentliche Problem liege nicht bei den Unternehmen, die keine Ausbildungsplätze anbieten, sondern bei der sinkenden Bereitschaft junger Menschen, eine Lehre zu beginnen.
Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und gibt Betrieben Zeit zur Anpassung. Unternehmen, die das Ausbildungsziel verfehlen, speisen einen gemeinsamen Topf, der die berufliche Bildung fördern soll. Doch angesichts der Ausnahmen für die meisten Kleinbetriebe und des Widerstands von Start-ups bleibt die Wirkung der Maßnahme ungewiss.






