Berlin feiert Newroz mit Musik, Tanz und Widerstand gegen Unterdrückung
Claudia SchmitzBerlin feiert Newroz mit Musik, Tanz und Widerstand gegen Unterdrückung
Berlin feiert dieses Wochenende ein buntes Newroz-Fest – mit Musik, Tanz und Traditionen aus Kurdistan, Zentralasien und Persien
Dieses Wochenende wird Berlin Schauplatz eines lebendigen Newroz-Festes, das die uralte Frühlingsradition an mehreren Orten der Stadt zelebriert. Die Veranstaltung ist Teil des jährlichen Programms "Beziehungen: Familie" und vereint kurdische, zentralasiatische, usbekische, iranische und afghanische Kulturen zu einem Tag voller Musik, Tanz und Gespräche. Der Eintritt ist frei – für Familien bietet das Fest die Gelegenheit, Bräuche kennenzulernen, die in ihren Herkunftsländern oft unterdrückt werden.
Das Humboldt Forum richtete am Samstag erstmals eine Newroz-Feier aus, die von 11 bis 20:30 Uhr dauert. Besucher können an traditionellen Aktivitäten wie Drachenbau, Eierbemalen und Tänzen teilnehmen, begleitet von einer Mischung aus klassischer Musik und kurdischem Rock. Sieben Berliner Kulturvereine haben die Veranstaltung gemeinsam gestaltet und dabei Bräuche aus der gesamten Region verbunden.
Am Abend steht im Haus der Kulturen der Welt die persische Kultur im Mittelpunkt: Die Kuratorin Ava Irandoost widmet sich vor allem Künstlerinnen und rückt den Iran in den Fokus des Abends. Von 20:30 Uhr bis Mitternacht folgen eine performative Lesung, ein Konzert und ein DJ-Set – ebenfalls kostenlos. Parallel dazu diskutiert eine Podiumsrunde unter dem Titel "Nowruz zwischen Schmerz und Hoffnung: iranische und afghanische Perspektiven" über die Bedeutung des Festes in Zeiten von Unterdrückung und politischer Repression.
Newroz, das in rund zwölf Ländern offiziell anerkannt wird, ist in Ländern wie Afghanistan und dem Iran verboten. Unter der Herrschaft der Taliban wurde das Fest als unvereinbar mit einer strengen Auslegung des Islam untersagt, und seit der Islamischen Revolution 1979 unterdrückt der Iran die Feiern. Dennoch halten viele Iranerinnen und Iraner an der Tradition fest – etwa beim Feuerfest, bei dem sie über Flammen springen, als Akt des Widerstands. Auch Berlins kurdische Gemeinschaft kommt zusammen: am Freitagabend ab 19 Uhr am Waterloo Ufer 7 sowie am Samstag von 13 bis 19:30 Uhr am Oranienplatz, um mit Musik und Tanz die Tradition lebendig zu halten.
Das Fest findet in einer Zeit statt, in der viele Familien mit Unsicherheit konfrontiert sind, und bietet einen Raum für kulturellen Austausch und Widerstand. Mit freiem Eintritt und einem ganztägigen Programm wollen die Veranstalter den ungebrochenen Geist von Newroz ehren – selbst dort, wo das Fest verboten bleibt. Den Abschluss bilden nächtliche Aufführungen, die die Traditionen weit über den Abend hinaus nachklingen lassen.






