07 May 2026, 04:12

Deutschland setzt auf Gas und Fusion – doch Solaranlagen verlieren Förderung

Plakat mit der Aufschrift "Wir reduzieren die Treibhausgasemissionen um etwa eine Gigatonne bis 2030" mit einem Logo, das die Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 fordert.

Deutschland setzt auf Gas und Fusion – doch Solaranlagen verlieren Förderung

Deutschland treibt weitreichende Änderungen seiner Energiestrategie voran. Die Bundesregierung plant Milliardeninvestitionen in neue Gaskraftwerke, Fusionsforschung und Netzreformen. Gleichzeitig wird die Förderung von Kleinstsolaranlagen zurückgefahren, während Gasimporte und die heimische Förderung neue Unterstützung erhalten.

Unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, einer ehemaligen Managerin der Gasbranche, balanciert das Land zwischen kurzfristiger Versorgungssicherheit und langfristigen Technologiewetten. Das Wirtschaftsministerium wird ab 2026 Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke mit einer Leistung von 12 Gigawatt starten. Diese Anlagen sollen das Stromnetz stabilisieren, während der Ausbau der Erneuerbaren voranschreitet – Kritiker verweisen jedoch auf die weiterhin bestehende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Reiche, die zuvor den Gaslobbyverband Westenergie AG leitete und als Geschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) tätig war, hat zudem im vergangenen Jahr einen Anstieg der US-amerikanischen Flüssiggasimporte (LNG) um 60 Prozent überwacht. Die Regierung plant darüber hinaus, die heimische Gasförderung auszuweiten, darunter auch vor der Nordseeinsel Borkum.

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Eine neue Quote für „grünes Gas“ soll es ermöglichen, bestehende Gasnetze länger zu betreiben, indem Wasserstoff oder Biomethan beigemischt wird. Gleichzeitig werden Reserve-Gaskraftwerke bereits häufiger bei Engpässen im Netz eingesetzt – was die Kosten in die Höhe treibt. Betreiber von Erneuerbaren-Energien-Anlagen in überlasteten Netzregionen könnten künftig keine Entschädigung mehr erhalten, wenn ihre Einspeisung gedrosselt wird. Gleichzeitig sollen Netzbetreiber durch die geplante Novelle des Netzpakets mehr Kontrolle über den Anschluss neuer Anlagen erhalten.

Im Bereich Forschung hat Deutschland 1,7 Milliarden Euro für die Fusionsenergie bereitgestellt, mit dem Ziel, das erste funktionsfähige Fusionskraftwerk der Welt zu bauen. Die EU steuert zusätzlich 200 Millionen Euro für die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR) bei. Allerdings endet ab 2027 die Förderung für neue Kleinstsolarprojekte – damit verlagern sich die Anreize weg von dezentralen Erneuerbaren.

Die Maßnahmen spiegeln einen doppelten Ansatz wider: Einerseits soll die Energieversorgung mit Gas gesichert werden, andererseits wird in Zukunftstechnologien wie die Fusion investiert. Betreiber Erneuerbarer Energien müssen sich auf strengere Netzregeln und gekürzte Subventionen einstellen, doch die Gasinfrastruktur bleibt noch auf Jahre hinaus zentral. Die Regierung setzt damit auf Netzsicherheit und Innovation – bleibt aber während der Transition weiterhin auf fossile Energieträger angewiesen.

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