07 May 2026, 12:20

"Nürnberg" zeigt die Prozesse gegen NS-Führungskräfte aus ungewöhnlicher Perspektive

Cartoon-Illustration einer Gerichtsszene mit dem Titel 'Boney's Trial, Sentence and Dying Speech Europe's Injuries Revenged' mit einer stehenden zentralen Figur, sitzenden Beobachtern und einem Tisch mit Gegenständen auf der rechten Seite.

"Nürnberg" zeigt die Prozesse gegen NS-Führungskräfte aus ungewöhnlicher Perspektive

Ein neuer Film, Nürnberg, beleuchtet die Prozesse gegen NS-Führungskräfte 1945 aus der Perspektive eines US-Armee-Psychiaters. Unter der Regie von James Vanderbilt versucht der Streifen, sich mit der Banalität des Bösen auseinanderzusetzen – ein Konzept, das erstmals von Hannah Arendt formuliert wurde. Anders als viele Hollywood-Produktionen über diese Epoche setzt der Film auf eine schonungslosere Darstellung historischer Grausamkeit.

Die Handlung folgt Dr. Douglas Kelley, der Hermann Göring und andere hochrangige Nationalsozialisten begutachtet. Zwar vermeidet der Film die sentimentale Verharmlosung, wie sie etwa in Der Buchdieb oder Jakob der Lügner zu finden ist, doch bleibt auch er hinter vollständiger historischer Präzision zurück. Besonders auffällig ist die fast fünfminütige Einbindung originaler Aufnahmen aus Konzentrations- und Vernichtungslagern. Diese Sequenz läuft in beinah vollständiger Stille ab – ohne Musik oder dramatische Ausschmückung. Eine seltene, ungeschönte Konfrontation mit dem historischen Grauen.

Regisseur James Vanderbilt unterstreicht die beunruhigende Atmosphäre des Films durch visuelle Mittel: künstlich wirkende Bilder und ein blau-beiger Farbfilter schaffen eine distanzierende, fast entfremdende Wirkung. Doch der Soundtrack von Brian Tyler durchbricht diesen Ansatz mitunter. An einigen Stellen wirkt die Musik zu dramatisch und lenkt die Emotionen, statt das Material für sich sprechen zu lassen.

Der Film greift Arendts Warnungen vor einem möglichen Wiedererstarken totalitärer Systeme auf. Er deutet an, dass das Böse oft nicht von Monstern ausgeht, sondern von ganz gewöhnlichen Menschen. Dieses Thema hebt ihn von anderen Hollywood-Darstellungen ab, die die NS-Zeit häufig vereinfachen oder beschönigen.

Kritiker monieren jedoch, dass Nürnberg den Ansprüchen einer exakten historischen Aufarbeitung nicht vollständig gerecht wird. Wie viele Filme vor ihm ringt auch dieser um den Ausgleich zwischen dramatischer Erzählweise und der Schwere der realen Ereignisse. Die Herausforderung, deutsche Geschichte unverfälscht darzustellen, bleibt bestehen.

Gleichwohl bietet Nürnberg einen schonungsloseren Blick auf die Nürnberger Prozesse als viele Vorgänger. Die Verwendung von Archivmaterial und der thematische Fokus auf die Banalität des Bösen schaffen Momente ungeschönter Wucht. Dennoch schwächen stilistische Entscheidungen und eine emotionalisierende Filmmusik mitunter die historische Verankerung.

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Der Film hinterlässt das Publikum mit Arendts bleibender Frage: Wie leicht könnten sich solche Gräueltaten wiederholen? Zwar ist er nicht perfekt, doch rückt er Hollywood einen Schritt näher an die unangenehmen Wahrheiten der Vergangenheit heran.

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