FDA rügt Novo Nordisk wegen irreführender Ozempic-Werbung mit "Untitled Letter"
Mia SchmittFDA rügt Novo Nordisk wegen irreführender Ozempic-Werbung mit "Untitled Letter"
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk eine offizielle Verwarnung wegen einer Verbraucherwerbung für Ozempic ausgestellt. Das Unternehmen sieht sich mit Kritik konfrontiert, weil es Risiken des Diabetes-Medikaments Semaglutid heruntergespielt und irreführende Aussagen getroffen haben soll. Es handelt sich bereits um die zweite Rüge für Novo Nordisk innerhalb eines Monats.
Die FDA-Rüge, die als sogenannter "Untitled Letter" (informeller Bescheid) eingestuft wurde, bezieht sich auf den Ozempic-Werbespot "There's Only One Ozempic". Die Aufsichtsbehörde wirft dem Spot vor, durch visuelle Gegenüberstellungen und eine humorvolle Inszenierung fälschlicherweise den Eindruck zu erwecken, das Präparat sei seinen Konkurrenten überlegen. Zudem beanstandet die Behörde die Behauptung, Ozempic verfüge über die meisten FDA-zugelassenen Anwendungsgebiete unter den Diabetes-Medikamenten – eine Aussage, die laut FDA ohne ausreichende Belege irreführend sei.
Besonders in der Kritik steht die Platzierung der Sicherheitshinweise im Werbespot. Diese würden erst nach dem Abspann mit dem Markenlogo eingeblendet, was ihre Wirkung deutlich schwäche, so die FDA. Zudem werde die medizinische Komplexität von Semaglutid im Spot vereinfacht dargestellt, was Patienten über die tatsächlichen Vorteile des Wirkstoffs in die Irre führen könnte.
Diese Verwarnung folgt auf eine ähnliche Rüge im Februar, die sich auf eine Werbekampagne für das Abnehmpräparat Wegovy desselben Herstellers bezog. Novo Nordisk hat nun 15 Werktage Zeit, um auf die Vorwürfe der FDA zu reagieren. Das Unternehmen bestätigte den Erhalt des Schreibens und kündigte an, eine offizielle Stellungnahme vorzubereiten.
Die Maßnahme ist Teil einer breiter angelegten Offensive gegen täuschende Arzneimittelwerbung, die auf Anordnung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump eingeleitet und unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. umgesetzt wurde. Allein im vergangenen Jahr verschickte die FDA über 60 Verwarnungen und informelle Bescheide an Hersteller, die sich mit direkt an Verbraucher gerichteten Werbespots für verschreibungspflichtige Medikamente befassten. Im September 2025 gingen rund 100 Unterlassungsaufforderungen heraus, viele davon zu compoundierten Arzneimitteln. Bis März 2026 hatte die Behörde zudem 30 Verwarnungen an Telemedizin-Anbieter wegen irreführender Werbung für compoundierte GLP-1-Abnehmpräparate erlassen – neben mehreren Rügen an große Pharmaunternehmen wie Novo Nordisk und Eli Lilly.
Novo Nordisk muss nun innerhalb der gesetzten Frist auf die Bedenken der FDA eingehen. Die Verwarnung unterstreicht die anhaltend strenge regulatorische Überwachung der Vermarktung verschreibungspflichtiger Medikamente an Verbraucher. Bei Nichteinhaltung drohen schärfere Sanktionen, darunter ein formeller "Warning Letter" der Behörde.






