Friedrich Merz kämpft um zweite Amtszeit trotz sinkender Umfragewerte und Koalitionsstreit
Tim KellerFriedrich Merz kämpft um zweite Amtszeit trotz sinkender Umfragewerte und Koalitionsstreit
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht sich seit seinem Amtsantritt Ende 2024 mit einem deutlichen Rückgang der öffentlichen Unterstützung konfrontiert. Seine Zustimmungswerte sanken von 45 Prozent auf etwa 32 Prozent zu Beginn des Jahres 2026, während wirtschaftliche Schwierigkeiten und Spannungen innerhalb der Koalition anhalten. Dennoch unterstützen nun führende Persönlichkeiten seiner Partei eine zweite Amtszeit – trotz der Herausforderungen.
Merz übernahm das Kanzleramt, nachdem sich nach der Bundestagswahl im September 2024 eine Koalition aus CDU/CSU und SPD gebildet hatte. Seine Regierung trieb bedeutende Reformen voran, darunter das Wirtschaftsmodernisierungsgesetz im Juni 2025, das Steuersenkungen und Deregulierungen vorsah. Ein weiteres umstrittenes Vorhaben, die Energiewende 2.0, beschleunigte den Ausbau von Kernenergie und Gas und wurde im Oktober 2025 verabschiedet. Das Sozialreformpaket hingegen – ein Plan zur Anpassung der Renten – scheiterte im Februar 2026 nach massiven Protesten in Berlin.
Angesichts dieser Turbulenzen stellt sich Markus Söder, Vorsitzender der CSU, demonstrativ hinter Merz. Söder lobte die enge Zusammenarbeit und betonte, der Kanzler könne die Reformagenda noch umsetzen. Gleichzeitig warnte er, die Union dürfe nicht den Eindruck erwecken, nur den Eliten zu dienen, sondern müsse ihre breitere wirtschaftliche und soziale Verantwortung wahrnehmen.
Merz selbst deutete bereits an, erneut kandidieren zu wollen, und verwies dabei auf die Langlebigkeit seines Vaters als Zeichen, dass auch er noch lange politisch aktiv bleiben könne. Mit 70 Jahren zeigt er sich entschlossen, im Amt zu bleiben. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann griff diesen Gedanken auf und scherzte, Merz' "gute Gene" könnten ihn noch Jahre im Kanzleramt halten.
Söders Rückendeckung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Union über ihre künftige Ausrichtung diskutiert. Zwar gibt es Kritik an Merz' Führung, doch scheuen sich Parteivertreter davor, ihn vor der nächsten Wahl fallen zu lassen. Mit Söders Unterstützung und Merz' eigenen Signalen, im Amt zu bleiben, scheint die CDU/CSU bereit, sich für eine weitere Amtszeit hinter ihn zu stellen. Ob der Kanzler seine politische Zukunft sichern kann, wird maßgeblich davon abhängen, ob es ihm gelingt, die Reformen durchzusetzen. Derzeit konzentriert sich die Union darauf, die Unterstützung vor den kommenden Wahlen zu stabilisieren.






