Opernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf klassische Musik – ein kultureller Wandel
Claudia SchmitzOpernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf klassische Musik – ein kultureller Wandel
Europas Opernhäuser präsentieren sich online neu – mit mehr Lifestyle als Musik
Opernhäuser in ganz Europa verändern ihre Online-Auftritte grundlegend. Auf Instagram rücken Musik und Kunst zunehmend in den Hintergrund, stattdessen dominieren Lifestyle, Humor und Sponsoring. Mit dieser Strategie wollen sie jüngere Zielgruppen ansprechen – doch oft bleibt die Kunst dabei auf der Strecke.
Das Festspielhaus Baden-Baden etwa mischt in seinem Feed klassische Musik mit Aperitifs. Die Moderator:innen geben sich lässig-elegant während der Aufführungen und verbinden so Hochkultur mit entspanntem Charme.
Die Staatsoper Berlin nutzt ihre Plattform vor allem, um Unternehmenssponsoren zu hofieren. Vertreter von BMW tauchen regelmäßig in Posts auf, oft neben luxuriösen Fahrzeugen posierend – eine dezente, aber wirksame Markenwerbung.
An der Wiener Staatsoper inszenieren Hemma & Jakob das Haus mal als Spielwiese, mal als Gourmet-Tempel. Gesang spielt nur noch eine Nebenrolle, im Vordergrund stehen kulinarische Genüsse und lockere Unterhaltung.
Ein wiederkehrender Star in vielen Opern-Feeds ist Opera Bert. Seine Auftritte sind meist verspielt oder absurde Einlagen, die den Accounts eine humorvolle Note verleihen.
Junge Influencer:innen prägen mittlerweile das Bild. Sie erklären in Tutorials, wie man Pausen-Snacks bestellt, Dresscodes entschlüsselt oder sich grundlegende Benimmregeln aneignet. Ihre Inhalte verwandeln die Oper in ein gesellschaftliches Event – nicht in ein künstlerisches Erlebnis.
Eine Ausnahme bleibt die Bayerische Staatsoper. Ihr Instagram-Kanal widmet sich nach wie vor Diskussionen über Wagner, Orchesterphilosophie und die Musik selbst. Während andere auf Lifestyle-Marketing setzen, bleibt hier die Kunst unangefochten im Mittelpunkt.
