Social Media treibt unerfahrene Bergsteiger in tödliche Abenteuer – Rettungskräfte warnen
Mia SchmittSocial Media treibt unerfahrene Bergsteiger in tödliche Abenteuer – Rettungskräfte warnen
Risikoreiche Bergabenteuer boomen durch Social Media – Rettungskräfte schlagen Alarm
Ein durch soziale Medien angetriebener Anstieg riskanter Bergtouren hält Rettungsteams in Atem. Erst kürzlich mussten in den Allgäuer Alpen zwei junge Wanderer gerettet werden, die sich an einer gefährlichen Route versucht hatten – inspiriert von TikTok. Gleichzeitig warnen Experten, dass virale Klettervideos unerfahrene Abenteurer in lebensbedrohliche Situationen treiben – oft ohne ausreichende Vorbereitung.
Das YouTube-Video des norwegischen Bergsteigers Magnus Midtbø, der den Matterhorn-Gipfel solo und ohne vorherige alpinerfahrung oder Führung bezwang, wurde bereits 2,7 Millionen Mal aufgerufen. Die Aufnahmen zeigen, wie er den Berg ohne entsprechende Vorbereitung angeht – und lösten bei Bergsicherheitsorganisationen Besorgnis aus.
In Deutschland musste der Bergwacht Bayern kürzlich zwei Wanderer retten, die ihre Route anhand von TikTok-Trends geplant hatten. Das Duo war auf die harten Bedingungen in den Allgäuer Alpen nicht vorbereitet. Solche Vorfälle häufen sich: Rettungskräfte verzeichnen einen Anstieg an Einsätzen – allein am Zugspitzmassiv wurden im Sommer 2025 insgesamt 3.041 Menschen in Notlagen unterstützt.
Kritiker werfen sozialen Medien vor, leichtsinniges Verhalten zu verherrlichen. Christoph Pirchmoser vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) prangert die mangelnde Planung bei solchen von Viral-Trends inspirierten Touren an. Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern sieht in Plattformen wie TikTok einen Treiber für Hedonismus und Selbstinszenierung im Bergsport. Anjan Truffer, ein Rettungssanitäter aus dem Wallis, warnt, dass Menschen heute "blindlings" in Herausforderungen stürzten – anders als frühere Generationen.
Alpinvereine in Deutschland, Österreich und der Schweiz kontern mit Aufklärung: Über soziale Medien klären sie Nutzer über Berggefahren auf. Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) relativiert zwar die Idee eines neuen Trends und bezeichnet die Protagonisten eher als "Adrenalin-Junkies" denn als breite Bewegung. Doch mit fast 13.000 Notfalleinsätzen der Bergwacht bundesweit pro Jahr ist die Belastung für die Rettungskräfte nicht von der Hand zu weisen.
Der TikTok-Influencer Jonathan Schöck gab zu, die Zugspitze bestiegen zu haben – trotz Höhenangst und ohne jede Vorbereitung. Seine Geschichte steht exemplarisch für ein wachsendes Muster: Unerfahrene Bergsteiger wagen sich nach Online-Vorbildern an Gipfel wie Matterhorn oder Zugspitze. Truffer schätzt, dass schon wenn nur ein Prozent von Midtbøs Zuschauern seinen Aufstieg nachahmen wollte, die Rettungsteams an ihre Grenzen stoßen würden.
Die Folgen sozialmedia-getriebener Bergabenteuer belasten die Rettungsorganisationen zunehmend. Allein in den Bayerischen Alpen gab es in einem einzigen Sommer über 3.000 Einsätze – und die Zahlen steigen bundesweit Jahr für Jahr. Während Alpinvereine auf bessere Aufklärung drängen, sind sich Experten einig: Die Mischung aus viralem Ruhm und mangelnder Vorbereitung hat gefährliche – und kostspielige – Konsequenzen, für Bergsteiger wie Retter gleichermaßen.






