Volkswagen krempelt Händlerverträge in Europa radikal um – was sich jetzt ändert
Tim KellerVolkswagen krempelt Händlerverträge in Europa radikal um – was sich jetzt ändert
Volkswagen kündigt eine grundlegende Umstrukturierung seiner Händlerverträge in ganz Europa an. Die Änderungen beenden langjährige Vereinbarungen und führen strengere Gewinnvorgaben ein. Gleichzeitig erhalten die Händler mehr Flexibilität bei der Personalplanung.
Der Automobilkonzern plant, die bestehenden Verträge mit rund 3.100 europäischen Händlern bis Ende März 2020 zu beenden. Die seit 2003 geltenden Abkommen gelten für das kommende Jahrzehnt als veraltet. An ihre Stelle treten neue Verträge, die vereinfachte Abläufe und Kostenerleichterungen für die Händler vorsehen.
Nach den neuen Bedingungen wird Volkswagen keine Personalvorgaben mehr für seine Händler festlegen. Dies könnte zu Stellenabbau oder Umstrukturierungen innerhalb des Netzes führen. Zudem beabsichtigt das Unternehmen, die Händlermargen um einen Prozentpunkt zu senken und gleichzeitig die Gewinnziele zu verschärfen.
Die Neuausrichtung erfolgt zu einer Zeit, in der traditionelle Autohäuser vor wachsenden Herausforderungen stehen. Geringe Rentabilität, die Folgen des Diesel-Skandals, die Digitalisierung und sich wandelnde Mobilitätstrends setzen die Branche unter Druck. Hinzu kommt, dass Software-Updates mittlerweile remote durch die Hersteller installiert werden können, was den Bedarf an Werkstattbesuchen verringert. Elektrofahrzeuge, die weniger Wartung erfordern, werden die Nachfrage nach Serviceleistungen weiter sinken lassen.
Volkswagen baut zudem seinen Direktvertrieb aus. Künftig will der Konzern Großkunden selbst beliefern und eine eigene Online-Verkaufsplattform einführen. In den kommenden Jahren wird sich das Händlernetz voraussichtlich weiter verringern.
Die Änderungen werden das Verhältnis zwischen Volkswagen und seinen Händlern neu definieren. Die Händler erhalten mehr Eigenständigkeit, müssen sich jedoch an strengere finanzielle Vorgaben halten. Angesichts neuer Technologien und Vertriebsmodelle wird das Netzwerk wahrscheinlich kleiner und effizienter werden.
