07 May 2026, 22:13

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen und ihren Risiken

Diagramm auf Papier, das miteinander verbundene Kreise darstellt, die die Ursachen des Ersten Weltkriegs repräsentieren, verbunden durch Pfeile, mit begleitendem Text.

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen und ihren Risiken

Der Historiker Horst Möller warnt davor, voreilige Parallelen zwischen vergangenen und aktuellen Ereignissen zu ziehen. In jüngsten öffentlichen Debatten wurden häufig Vergleiche angestellt – etwa zwischen heutigen Politikern und Hitler, zwischen COVID-19-Kritikern und Widerstandskämpfern oder gar mit provokanten NS-bezogenen Darstellungen von Donald Trump.

Möller betont, dass historische Vergleiche erst dann gezogen werden sollten, wenn sich Ereignisse vollständig entfaltet haben. Er verweist darauf, dass die Krisen in der Weimarer Republik zwölf Jahre andauerten, während sich die der Bundesrepublik über 76 Jahre erstreckten. Wer einzelne Aspekte ohne vollständigen Kontext herausgreife, riskiere Verzerrungen, so der Historiker.

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Er lehnt zudem die Vorstellung eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur nach dem Ersten Weltkrieg ab. Stattdessen weise er darauf hin, dass viele europäische Nationen mit ähnlicher Fragilität konfrontiert gewesen seien. Auf die Frage nach der AfD stuft Möller die Partei nicht als „faschistisch“ ein – mit der Begründung, es fehle an einem „Führerkult“, wie er für historische faschistische Bewegungen typisch gewesen sei.

Gleichwohl erkennt der Historiker sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen der Weimarer Zeit und dem heutigen Deutschland an. Beide Epochen durchlebten Entwicklungskrisen, allerdings in völlig anderem Ausmaß. Gleichzeitig haben Medien wie Der Spiegel und Stern mit Titelbildern für Aufsehen gesorgt, die Trump in extremer Weise darstellen – etwa beim Hitlergruß oder mit der abgetrennten Freiheitsstatue in der Hand.

Möllers Haltung unterstreicht die Gefahren überzogener historischer Analogien. Sein Appell zu mehr Geduld bei der Bewertung kommt zu einer Zeit, in der die öffentliche Debatte zunehmend auf dramatische Vergleiche setzt. Die Diskussion darüber, wie und wann Vergangenheit und Gegenwart gegeneinander gemessen werden sollten, dauert an.

Quelle